Auf ein Wort

„Passion?

„Verraten, verspottet, verhöhnt und verlacht, verklungen die Lieder der heiligen Nacht. Die Engel, sie schweigen, sie singen nicht mehr, das Lob ist verstummt und die Herzen sind leer.“Das ist die erste Strophe eines neuen Passionsliedes (NL 203). Im letzten Jahr hat Angelika Spingler, unsere Kinderchorleiterin, dieses Lied in einem un

Dieses Jahr begleitet es uns in den Gottesdiensten im Gemeindezentrum Hainbachtal. Dieses neue Passionslied ist in Moll vertont. Die Strophen zeigen wenig musikalische Bewegung. Das ändert sich im Refrain. Der Blick bleibt nicht bei der Trostlosigkeit der Passion stehen. Er öffnet sich hin zur österlichen Hoffnung. „Lass in deinem Leiden unser Leid vergehn und uns zu wahrem Leben mit dir auferstehn.“

Die Passionszeit ist eine Zeit, in der Christinnen und Christen traditionell des Leidens und Sterbens Jesu Christi gedenken. Das Lied versucht, für den christlichen Umgang mit der Passion eine neue Sprache und einen neuen Ton zu finden. In den alten Chorälen aus dem 17. Jahrhundert wird der von Christus leibhaftig erlittene Schmerz sehr viel stärker betont. Auch diese Choräle sind bis auf den heutigen Tag in unseren evangelischen Gottesdiensten gegenwärtig. Die starke Betonung des Schmerzes ist frömmigkeitsgeschichtlich vermutlich erklärbar durch ihre Entstehungszeit im Kontext des Dreißigjährigen Krieges („Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ EG 81, „O Haupt voll Blut und Wunden“ EG 85, „Du großer Schmerzensmann“ EG 87). Auch diese Lieder können unseren Glauben prägen, wenn wir uns auf ihre Glaubenssprache einlassen. Doch nicht jeder und jede kann und mag sie heute noch singen.

In der Betrachtung der Passion hat es immer Wandlungen gegeben zwischen der Betonung des Kreuzes und der des Osterfestes. Doch jeder christlichen Frömmigkeit ist das Ganze anvertraut und zugemutet – Kreuz und Ostern, Tod und Auferstehung. Passionslieder wie „Verraten, verspottet“ machen Passion und Ostern neu gegenwärtig hör- und erfahrbar.

Das Kreuz ist im Letzten ein christliches Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes und der Versöhnung der Welt. Das ist auch eine politische Aussage. Es darf aus christlicher Sicht keinen Zweifel geben, dass jede Menschenfeindlichkeit – sei es im Namen wiedererwachender Nationalismen oder auch im Zuge von Konflikten zwischen Religionen – inakzeptabel und unvereinbar mit dem christlichen Glauben ist.  Pfarrer Enno Knospe

 

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