Apfelbäumchen und Löwenzahn

Heute bin ich richtig „platt“ und geschafft. Wir haben nämlich im Garten gearbeitet. Gartenarbeit macht Spaß. Manchmal. Sie bringt Genugtuung, wenn man Schönes wachsen sieht, sie ist gesund. Und sie ist anstrengend, aber hallo!
 
Die schöne Seite der Gärten und der Schöpfung hat Paul Gerhardt in seinem bekannten Sommerlied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ besungen: „Schau an der schönen Gärten Zier“ jubelt er. Aber vor dem Schauen und dem Jubeln kommt das Mähen und Hacken, das Jonglieren mit der Heckenschere, das Mulchen und Gießen.

Was wir da machen in unserem kleinen Pfarrhausgarten, ist nichts im Vergleich zur Arbeit der Leute, die einen großen Garten oder eine Baumwiese pflegen. Das ist mir klar. Aber uns reicht es so. Wir bearbeiten unser Gärtle, lernen den richtigen Baumschnitt für unseren alten Bauernapfel namens „Gewürzluike“, pflegen die Rosen und den Weinstock.

Aber was heißt schon: „Wir pflegen?“ Das Wichtigste macht die Pflanze von selbst. Das Wichtigste hat der Schöpfer in seiner wunderbaren, bunten Schöpfung angelegt. Die Gartenarbeit lehrt mich das Staunen darüber. Und sie lässt mich ein bisschen demütig werden. Im Garten bin nicht ich der große Boss. Die Pflanzen wachsen, das Wetter wettert. Und ich gieße und schneide und räume auf und begleite eigentlich nur, was sich da ereignet. Und immer wieder merke ich: Letztendlich ist es ein Geschenk. Geschenk sind unsere wunderbaren paar Himbeeren und Träuble und die Äpfel, die, wie es alte Sorten gerne tun, nur alle zwei Jahre tragen.

In diesem Gemeindebrief lesen Sie die Geschichte von Leuten, die in Gartendingen noch viel fleißiger sind als ich. Es sind die Aktiven der Esslinger Streuobstgruppe. Sie pflegen Grundstücke von Menschen, die es selbst nicht mehr schaffen. Sie bewahren das Land vor dem Verbuschen und erhalten so die Artenvielfalt. Ist das nicht wunderbar?

Auch um Erntedank geht es diesem Heft. Und irgendwie schwebt bei all diesen Themen und Überlegungen auch das schöne, Zuversicht ausstrahlende, Martin Luther zugeschriebene Bonmot im Raum: „Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Schöne Entdeckungen beim Lesen
wünscht Ihr Pfarrer Christoph Schweizer

 

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